Der Blutegel im therapeutischen Einsatz- Wo kommen die Blutegel her?
- Wie werden Blutegel gehalten?
- Welche Substanzen enthält das Sekret des Blutegels und welche Wirkung haben Sie?
- Wie führe ich eine Behandlung mit Blutegeln durch?
- Was passiert mit den Blutegeln nach einer Behandlung?
- Wie hoch ist der Blutverlust bei einer Behandlung mit Blutegeln?
- Bei welchen Krankheiten können Blutegel angewendet werden?
- Wann darf man keine Blutegel anwenden?
- Welche Nebenwirkungen können bei einer Behandlung mit Blutegeln auftreten?
- Besteht eine Infektionsgefahr durch eine Behandlung mit Blutegeln?
Wo kommen die Blutegel her?Genauere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier... nach oben... Wie werden Blutegel gehalten?Blutegel leben in Gewässern mit klarem, nur langsam fließendem Wasser. Die Haltung der Tiere kann in Aquarien oder größeren Behältern aus Glas, Ton oder lebensmittelechtem Kunststoff erfolgen. Die Aufbewahrungsgefäße müssen dicht verschließbar sein. Dabei muss für eine ausreichende Sauerstoffzufuhr gesorgt und das Wasser regelmäßig erneuert werden.
Zur Aufbewahrung der Blutegel - vor allem für Therapeuten - bietet sich ein Glas mit ca. 1 - 2 l Fassungsvermögen (Kompott- oder Gurkenglas) an. Dessen Schraubdeckel muss mit kleinen Luftlöchern, die nicht größer als 1 mm sein dürfen, versehen sein. Die Löcher sollten von innen nach außen gestochen werden, damit sich die Blutegel nicht an den scharfen Kanten der gestanzten Löcher verletzten. Als Verschluß kann aber auch z.B. ein Stück Leinenstoff oder Gaze mit einem straffen Gummi über die Öffnung gespannt werden. Diese Art der Haltung eignet sich für kleinere Mengen an Blutegeln (bis zu 50 Tiere). Besonders günstig sind Gläser, da man bei diesen die Wasserqualität ohne Probleme und ohne Öffnen des Deckels kontrollieren kann.
Bei größeren Mengen muss man entweder mehrere kleine oder einen großen Behälter (z.B. mit 20 l Volumen), wie z.B. ein Aquarium, benutzen. Die Verteilung der Egel auf mehrere Behälter hat den Vorteil, dass z.B. bei einer Erkrankung der Egel in einem Glas, nicht sofort alle Tiere angesteckt werden können. Das Gefäß sollte einhalb- bis zweidrittelvoll mit kaltem Wasser gefüllt werden.
Dabei ist es egal, ob Sie Leitungs-, Brunnen- oder Regenwasser benutzen. Allerdings ist nicht jedes Leitungswasser für die Blutegel geeignet, obwohl den Tieren unserer Erfahrung nach die Chlorierung des Leitungswassers erstaunlicherweise nicht schadet. Das Gefäß sollte abgedunkelt und kühl (nicht kalt) stehen. In der Nähe sollten keine Chemikalien gelagert oder Gase freigesetzt werden. Alle zwei Tage - bei Trübungen, blutigen Verfärbungen oder sonstigen Auffälligkeiten täglich - sollte ein Wasserwechsel erfolgen.
Im Wasser schwimmende abgestreifte Schleimringe sind normal und deuten auf gesunde und bißfreudige Tiere hin. Tote Tiere müssen entfernt, kranke Tiere in einem separaten Gefäß aufbewahrt werden. nach oben...
Welche Substanzen enthält das Sekret des Blutegels und welche Wirkung haben Sie?Bis heute konnten verschiedene Substanzen aus dem Blutegelsekret isoliert werden. Ihre Wirkung und Wirkungsmechanismen wurden bisher nur zum Teil analysiert. Bekannt sind folgende Substanzen: - Hirudin:
Thrombinspezifische Hemmung der Gerinnung, Umwandlung von Prothrombin in Thrombin gehemmt. 1884 von Haycraft entdeckt, 1903 von Jacobi isoliert und benannt, 1955 von Marquardt rein isoliert und chemisch definiert. Seit ca. Mitte der 90er Jahre gentechnisch hergestellt von Hoechst (Lepirudin, Refludan) und zugelassen für den Einatz bei der Heparin-assoziierten Thrombozytopenie. - Calin:
kollagenvermittelte Gerinnungshemmung, entzündungshemmend, für die lange Nachblutungszeit verantwortlich - Eglin: gerinnungshemmend und entzündungshemmend
- Bdellin: gerinnungshemmend, Enzyminhibitoren
- Apyrase: Hemmung der Thrombozytenaggregation
- Kollagenasen
- Orgelase, Hyaluronidase:
Lymphstrombeschleunigend und gefäßerweiternd bewirkt es eine rasche Ausbreitung der Substanzen in der Nähe der Bissstellen in Form eines "spreading factors" (verschafft anderen Substanzen Platz im Zwischenzellraum). Außerdem wirkt es schleimbildend im Wundbereich und verstärkt den Blutstrom im Wundegebiet. Diesem Wirkstoff wird nachgesagt, er könnte eine bakterizide Wirkung haben - Histaminähnliche Substanz: gefäßerweitern um die Bissstellen
- Destabilase, Piyavit: Auflösung von Thromben
- Piyavit: antithrombotisch
- Prostaglandine, Ceramide glycanase, Lipide, Hirustasin, Yagin
nach oben... Wie führe ich eine Behandlung mit Blutegeln durch?Die Blutegeltherapie ist ein Heilverfahren, das zu den alten "Hausmitteln" gerechnet wird. Deshalb meinen Viele, dass sie diese Therapie zu Hause durchführen könnten.
Allerdings bestehen einige Gegenanzeigen, die vor einer Behandlung abgeklärt werden müssen. Es können Nebenwirkungen auftreten, die den Patienten ängstigen. Diese wären eventuell nicht aufgetreten, wenn ein erfahrener Behandler die Therapie durchgeführt hätte. Deshalb vertreten wir die Meinung, dass eine Blutegelbehandlung nur von einem Arzt oder Heilpraktiker, der über die Therapie und ihr Einsatzgebiet, die Gegenanzeigen und Nebenwirkungen genau Bescheid weiß, durchgeführt werden sollte. nach oben... Was passiert mit den Blutegeln nach einer Behandlung?Die Blutegel dürfen nur einmalig für eine Behandlung eingesetzt werden. Ein nochmaliges Ansetzen am Menschen ist nicht gestattet. Auch dürfen die Blutegel nicht in der freien Natur ausgesetzt werden. Plätze, die Überlebensmöglichkeiten für die Tiere bieten, sind in Deutschland ausreichend zu finden (Tümpel, Teiche, kleine Bachläufe usw.). Leider dürfen die Blutegel nicht in Deutschland ausgesetzt werden, da sich die deutschen und die türkischen Blutegel im Genmaterial zu stark unterscheiden (lt. Informationen vom Bundesamt für Naturschutz, Bonn). Deshalb müssen die Tiere nach einer Blutegelbehandlung getötet werden.
In den letzten Jahren ist das Thema der Versorgung der Blutegel nach einer Blutegeltherapie immer mehr ins Blickfeld gerückt. Um das Töten der Tiere nach der Behandlung zu umgehen, haben manche Blutegelhändler Rentnerteiche eingerichtet. Der Therapeut kann die Tiere nach der Behandlung gegen einen Unkostenbeitrag zuzüglich Rückfrachtkosten an den Händler zurückschicken und dieser setzt die Egel in den Rentnerteich. Der Therapeut kann die Tiere nach der Behandlung gegen einen Unkostenbeitrag zuzüglich Rückfrachtkosten an den Händler zurückschicken und dieser setzt die Egel in den Rentnerteich.
Diese Rentnerteiche bereiten inzwischen einige Probleme: Zunächst ist die Vorstellung, dass die verwendeten Blutegel "Rentner" sind, nicht richtig. Die angesetzten Blutegel sind ca. 3 Jahre alt. Das sind relativ junge Tiere, die noch einige Jahre leben können. Für diesen Zeitraum müssen die Blutegel versorgt werden. Das bedeutet, dass die Tiere im Abstand von mehreren Monaten gefüttert werden müssen. Die toten Tiere in diesem Teich müssen entfernt und das Wasser muss sauber gehalten werden. Ob dies mit einer Pflanzenkläranlage machbar ist, ist zu bezweifeln. Außerdem entstehen Jungtiere in diesem Teich, die ebenfalls gefüttert und großgezogen werden müssen, damit sie nicht verhungern. Bei diesen Blutegeln liegt der Fütterungsabstand im Bereich von Wochen. Diese aufgezogenen Blutegel dürfen nicht in den Vertrieb, da sie von den Muttertieren Menschenblut bekommen haben. Ausgesetzt werden dürfen diese Tiere ebenfalls nicht. Dies verbietet das Bundesamt für Naturschutz.
Das bedeutet, dass in diesem so genannten Rentnerteich über einen Zeitraum von ungefähr 10 Jahren immer mehr Tiere eingesetzt werden. Diese Tiere müssen versorgt werden, da sie sonst verhungern. Der Teich muss gereinigt werden, da er sonst kippt und die Egel verenden. Das alles bedeutet einen enormen Aufwand an Arbeitszeit und Kosten. Dies alles kann ein Unternehmen, das wirtschaftlich arbeiten muss, nicht leisten. Aus diesem Grund sehen wir keine andere Möglichkeit als die Blutegel nach der Behandlung zu töten. nach oben... Wie hoch ist der Blutverlust bei einer Behandlung mit Blutegeln?Ein Blutegel saugt zwischen 3 und 6 ml Blut. Durch die Nachblutung verliert man in der Regel pro Blutegel zwischen 20 - 30 ml Blut. Pro Blutegel ergibt das einen Blutverlust von 23 - 36 ml Blut. Bei 10 Blutegeln liegt der Blutverlust also circa zwischen 250 - 350 ml Blut. nach oben... Bei welchen Krankheiten können Blutegel angewendet werden?Blutegel sind bei allen Erkrankungen, die durch Durchblutungsstörungen entstehen oder mit Durchblutungsstörungen einhergehen, indiziert. Aber auch bei vielen anderen Erkrankungen kann man Erfolge mit der Blutegeltherapie verzeichnen. Allerdings beruhen diese Angaben auf den individuellen Erfahrungen einzelner Behandler. Klinische Studien für diese Behandlung existieren nicht. Es existieren einige Studien, in denen die Erfolge der Blutegeltherapie bei Kniegelenksarthrose getestet wurden. Die Ergebnisse zeigen durchweg gute Erfolge der Blutegeltherapie bei den Kniegelenksarthrosen. nach oben... Wann darf man keine Blutegel anwenden?Es gibt nur wenige Gegenanzeigen, die eine Blutegelbehandlung entweder ausschließen oder nur unter bestimmten Bedingungen oder Vorsichts-maßnahmen erlauben.
Absolute Kontraindikationen:- Blutgerinnungsstörungen (z.B. Hämophilie A oder B, hämorrhagische Diathesen).
- Therapie mit Antikoagulantien wie Cumarinderivate, Heparin usw.
- Ausgeprägte Immunschwäche oder Immunsuppression, auch durch therapeutische Eingriffe verursacht, wegen Gefahr der Sepsis durch Wundinfektion (durch Aeromonas hydrophila oder andere Keime).
- Deutliche Anämie
- Allergie: systemische Reaktionen
- Ansetzen der Blutegel auf schlecht durchblutete oder krankhaft veränderte Haut.
- Bei einer Therapie mit quecksilberhaltigen Präparaten wird die Toxizität des Quecksilbers erhöht (z.B. Mercuchrom oder Sublimatspiritus), wobei Amalgam keine Kontraindikation darstellt.
Relative Kontraindikationen:- Therapie mit niedrigdosiertem ASS oder vergleichbaren Substanzen (beachten muss man dabei die verlängerte und verstärkte Nachblutung)
- Leichte Anämie
- Neigung zur Kelloidbildung (kosmetisch störende Narben)
nach oben... Welche Nebenwirkungen können bei einer Behandlung mit Blutegeln auftreten?Bei genauer Indikationsstellung, Beachtung aller Gegenanzeigen und sachgerechter Durchführung der Blutegelbehandlung treten sehr selten schwere Nebenwirkungen auf. Leichte lokale Reaktionen um die Bissstellen und Kreislaufschwäche dagegen sind relativ häufige Ereignisse. Wir unterscheiden hier in Nebenwirkungen, die ganz spezifisch für die Blutegeltherapie sind. Sie stehen in einem direkten Zusammenhang mit der Blutegelbehandlung. Des weiteren gibt es Nebenwirkungen, die unabhängig von der Blutegelbehandlung sind, z.B. Wundheilungsstörungen können bei jeder Wunde auftreten. Diese treten nicht nur bei Blutegelbehandlungen auf.
Blutegelabhängige Nebenwirkungen:Lokale Reaktion: Um die Bissstellen tritt gewöhnlich nach einer Behandlung mit Blutegeln nach 2 – 48 Std. eine Rötung mit Schwellung auf, die oft mit einem Juckreiz verbunden ist. Diese Reaktion ist mit einem Mückenstich vergleichbar. Das Einspritzen einer histaminähnlichen Substanz im Sekret des Blutegels verursacht dieses Phänomen. Diese Substanz führt zu den gleichen Symptomen, die auch durch Histamin ausgelöst werden. Histamin führt im menschlichen Körper zu einer Gefäßerweiterung und ist unter anderem für die allergischen Reaktionen verantwortlich. Da sich die Symptome gleichen, aber nicht auf einer echten Allergie beruhen, nennt man diese Reaktion allergoid. Je nach individueller Reaktionslage ist die lokale Reaktion mehr oder weniger stark ausgeprägt. Der unter Umständen sehr starke Juckreiz kann den Patienten dazu verführen, zu kratzen. Dadurch besteht die Gefahr einer sekundären Wundinfektion (Infektion). Deshalb sollten dem Patienten juckreizstillende Maßnahmen wie kalte Umschläge, eventuell mit Quark, oder ähnliches verordnet werden. Antihistaminika - schon vor der Behandlung verabreicht – lindern den Juckreiz ebenfalls gut. Diese empfehlen wir allerdings nur bei Patienten mit bekannter starker Lokalreaktion nach der Behandlung. Kreislaufreaktionen: Immer wieder sind Kreislaufreaktionen der Patienten nach einer Blutegelbehandlung zu beobachten. Diese Kreislaufschwäche steht nicht im direkten Zusammenhang mit dem Blutverlust. Sie scheint viel mehr eine Reaktion auf das Blutegelsekret zu sein. Auf jeden Fall ist es sinnvoll, den Patienten für den Tag der Behandlung Ruhe und eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme zu empfehlen. Hämatome: Relativ häufig treten Hämatome um die Bissstellen herum auf. Sie entstehen durch oberflächliche Einblutungen, vor allem wenn – wie empfohlen - keine Blutstillung durchgeführt wird. Innerhalb einiger Tage lösen sich die Hämatome völlig auf. Narben: Die Bissstellen nach einer Blutegelbehandlung verheilen in den meisten Fällen rasch und sind nach wenigen Wochen nicht mehr sichtbar.. Manchmal – bei Verwendung größerer Tiere, bei älteren Patienten, Patienten mit Neigung zur Kelloidbildung usw. – können Vernarbungen auftreten. Verlängerte oder übermäßige Nachblutung: Sie tritt nur dann auf, wenn die Kontraindikationen nicht beachtet oder die Tiere nicht sachgerecht angesetzt wurden. Durch Kompression der Wunde lässt sich die Blutung im Allgemeinen komplikationslos stillen. Von der Blutegeltherapie unabhängige Nebenwirkungen: Wundinfektionen: Mögliche Infektionsquellen bei einer Behandlung mit Blutegeln sind neben Wundinfektionen durch Kontamination der Wunde auch die Blutegel selber. In ihrem Darm, auf der Haut und im Schleim auf der Haut der Egel befinden sich Bakterien. Durch geeignete Maßnahmen kann eine Infektion durch diese Bakterien weitestgehend verhindert werden. Eine Kontamination der Wunde kann ebenfalls durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen während der Behandlung und Verhaltensregeln für den Behandelten nach der Behandlung in den meisten Fällen vermieden werden. Weitere Informationen zum Thema Infektion durch Blutegelbehandlungen finden Sie hier... Wundheilungssstörungen: Wundheilungsstörungen treten in der Regel nur auf, wenn man die Blutegel auf krankhaft veränderte oder minderdurchblutete Hautareale ansetzt. Bei Beachtung der Kontraindikationen (s. auch Kontraindikation) und der Maßnahmen zur Vermeidung von Wundinfektionen (s. Infektion) treten diese nur äußerst selten auf. Allergie: Echte allergische Reaktionen beschränken sich meistens auf übermäßige Lokalreaktionen, die gut zu behandeln sind. Systemische allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock sind möglich, jedoch extrem selten. Todesfälle sind uns bisher nur aus der älteren Literatur bekannt. Sie traten ausschließlich durch Behandlungsfehler unerfahrener Therapeuten oder bei Selbstbehandlung durch Laien auf. nach oben... Besteht eine Infektionsgefahr durch eine Behandlung mit Blutegeln?Aufgrund der steigenden Anzahl von Blutegelbehandlungen in den letzten 30 Jahren kam die Frage nach einer möglichen Infektionsgefahr durch Blutegel auf. Eine mögliche Infektionsquelle bei einer Behandlung mit Blutegeln ist der Blutegel selber. In seinem Darm befinden sich Symbionten, die für die Verdauungstätigkeit des Blutegels von großer Bedeutung sind. Einer dieser Darmbakterien ist Aeromonas hydrophila, das proteolytische Enzyme produziert. Natürlicherweise kommt dieses Bakterium auch in Wasser und Erde vor. Es kann also auch durch Kontakt mit Wasser oder Erde in eine Wunde gelangen und Wundinfektionen auslösen. Außer im Darm findet man A. hydrophila noch an den Saugnäpfen und im Schleim auf der Haut der Blutegel. Blutegel stellen deshalb eine potentielle Infektionsquelle für Wundinfektionen mit A. hydrophila dar. Im Sekret des Blutegels dagegen sind die Bakterien nicht zu finden. In der Weltliteratur finden sich allerdings bisher nur wenige Veröffentlichungen über eine Infektion durch A. hydrophila. Bei den meisten der veröffentlichten Fälle handelt es sich um lokale Wundinfektionen. Zur Bakteriämie mit systemischer Ausbreitung der Erreger kam es nur bei immunsuppremierten Patienten (s. Kontraindikationen). Keiner der Fälle endete letal. Die Infektionen ließen sich mit Antibiotika rasch kontrollieren. Durch folgende Maßnahmen kann das Infektionsrisiko fast vollständig beseitigt werden. Dies betrifft nicht nur Infektionen mit A. hydrophila, sondern auch die durch andere Erreger, die sich im Darm als Symbiont oder durch Nahrungsaufnahme befinden: Über Infektionen durch andere Darmsymbionten oder durch Erreger, die der Blutegel während einer früheren Mahlzeit zu sich genommen hat, wurden nach unserem Kenntnisstand noch nicht berichtet. In In-Vitro-Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass eine Übertragung von Erregern, die mit einer Mahlzeit aufgenommen wurden, innerhalb von ein paar Tagen noch möglich war. Wurde nach dieser Zeit eine Behandlung mit den infizierten Tieren durchgeführt, erfolgte keine Übertragung der Erreger mehr. Eine Behandlung mit einem vor ein paar Tagen gefütterten Tier ist in der Praxis nicht möglich, wenn man die Tiere nicht künstlich nach einer Mahlzeit erbrechen lässt und sie mehrmals verwendet. Dies ist durch den oben aufgeführten Maßnahmenkatalog nicht möglich. Ausgeschlossen werden kann nicht, dass durch die Anwendung von Blutegeln Viren, Bakterien oder andere Krankheitserreger übertragen werden können. Informationen über Ereignisse beim Menschen liegen uns zur Zeit jedoch nicht vor. Ebenfalls auftreten können sekundäre Wundinfektionen. Diese sind wie bei jeder Wunde möglich. Ursache dafür können z.B. eine Reizung durch Reibung eines Kleidungsstückes (z.B. Schuh, Kragen usw.) oder Kratzen (durch den starken Juckreiz) sein. In den meisten Fällen lassen sich diese Infektionen durch hygienische Maßnahmen während der Behandlung und entsprechende Verhaltensregeln für den Patienten nach der Blutegelbehandlung vermeiden. Nach unseren Erfahrungen in über zwanzig Jahren Blutegeltherapie treten die Symptome einer Infektion, v.a. einer Wundinfektion aufgrund einer Kontamination, in der Regel erst einige Tage nach einer Blutegelbehandlung auf. In ihrem Erscheinungsbild mit Infiltration, Rötung und Schwellung kann man sie nur schwer von der sehr häufigen lokalen Reaktion unterscheiden. Allerdings tritt die Lokalreaktion schon im Zeitraum einiger Stunden nach der Blutegelbehandlung auf, wohingegen die Infektion sich erst später bemerkbar macht. Bei den ca. 5000 Blutegelbehandlungen, die in der naturheilkundlichen Praxis von Frau Moser bereits durchgeführt wurden, ist noch kein Fall einer Infektion aufgetreten, der eindeutig auf eine Infektion mit A. hydrophila zurückzuführen gewesen wäre. Die wenigen Infektionen aufgrund von sekundärer Kontamination der Wunde waren eher im Sinne einer Reizung als einer Infektion zu sehen und konnten mit ASS, ohne begleitende Antibiotikatherapie, komplikationslos behandelt werden. nach oben...
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